Dienstag, 31. August 2010

..und die 3.

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!! Ist es denn zu glauben, ich hab meine Verlaengerung fuer 3 Monate!!!!!!!!!!!!!!!!! Mein Gott was fuer ein Riesenstein ist mir vom Herzen gefallen.....

Heute also in Office Nr. 95 ....vor mir 2 weitere Auslaender, Studenten, die hier 1 Jahr -natuerlich umsonst- arbeiten und jetzt nach 3 Monaten die residency permit beantragen wollten; denen ist nur gesagt worden, sie haben ja nur ein Tourist Visum und fuer ihren Antrag brauchts ein Business Visum und das kann hier nicht ausgestellt werden, sondern nur in ihrem Heimatland, sie muessten also zurueckfliegen (GB bzw. Kanada), sich das Business Visum aussstellen lassen und dann wiederkommen..........ich bin also wahrlich nicht die einzige der meterhohe Steine in den Weg gelegt werden.... Waaahnsinn?!?!?!?!?!?!?

In Office Nr.95 seeeeeehr lange Diskussion, aber nachdem ich ihm auch mein Rueckflugticket und auch meinen Letter of invitation, der ja fuer 6 Monate ausgestellt war gezeigt habe -er konnt es auch nach mehrerem Nachfragen nicht glauben dass ich hier nix verdiene- hat er mir dann die Erlaubnis fuer 3 Monate ausgestellt.
Mittlerweile weiss ich auch das eigentliche Problem. Businessvisas werden hier generell nur max.14 Tage verlaengert, alles andere ist normalerweise die Beantragung eines Residency permits.
Danach ging alles ganz schnell, zurueck in Nr 80, von dort wieder in Nr.77, von dort zur Zahlstelle in Nr.78 und eigentlich gibt man dann dort seinen Pass ab und holt ihn am naechsten morgen. Nachdem ich jetzt aber alle ganz gut kenne hatte ich nach einer neuerlichen Stipvisite in Nr.80 "urgent" auf meinen Unterlagen und jetzt kann ich alles heute Nachmittag abholen und morgen zurueck nach Jimma!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber jeder Sachbearbeiter hat wirklich groooosse Augen gemacht als er die -bewilligten- 3 Monate auf meinem Antrag gesehen hat, scheint hier wirklich ne aussergewoehnliche Raritaet zu sein.

So und das ist hoffentlich das Ende meiner kleinen Behoerdentrilogie aus Addis............



Montag, 30. August 2010

...Klappe, die 2.

...oder soll ich besser sagen, die 3., weil es ist ja heut schon mein 3. Tag im IO und um es vorne weg zu nehmen, nicht der letzte.

Heut Morgen Punkt 9 a.m. also im Office Nr. 80, der mich auch sofort erkannt hat und mir gesagt hat er kann das nicht entscheiden -ach, da waer ich nach letzter Woche gar nicht drauf gekommen- ich muss ins Office Nr.95.

Dort steht immerhin an der Tuer "Head of Immigration", also schein ich jetzt wenigstens schon Chefsache zu sein....
Die Sekretaerin hat aber dann nur geagt -come back tomorrow- und irgendwie bin ich auf diesen Satz mittlerweile ziemlich allergisch, was dann auch dazu gefuehrt hat in einen kleineren Heulkrampf auszubrechen vor Wut, Verzweiflung und Aerger, und ich ihr versucht hab mal die Lage zu schildern, dass es ja gar nicht um mich bloeden Auslaender geht sondern um meine, im uebrigen ja aethiopische Patienten, die einfach nicht versorgt werden, waehrend ich hier in Addis bin.
Daraufhin hat sie mich ins Office Nr.12 geschickt (alle niederen Nummern sind eigentlich nationale Angelegenheiten), dort wieder Nr. 11, der kannte mich ja auch vom letzten Freitag noch und hat gesagt ich muesste zu seinem Boss (nicht Nr 95!!!!) und dem sein Boss hat aber dann auch nur gesagt, dass er das nicht entscheiden kann, weil mein Antrag illegal sei!?!?!??!?!?!?!?!??!?!?!??!?
Auf meine Frage was denn daran illegal sei hat er mir aber auch keine Antwort geben koennen und mich wieder zurueck zu Office Nr.95 geschickt.
Und die Sekretaerin hat mir versichert, dass ihr Chef morgen um 9 Uhr sicher da sei...............was ja auch noch lang nicht heisst, dass es dann klappt.....schau mer mal....

...Fortsetzung folgt.......

Sonntag, 29. August 2010

Kleines Behoerden 1x1, Klappe die 1. ......

In Addis gibt es viele Behoerden, mit den meisten hat man als
Auslaender nicht allzuviel zu tun, aber es gibt eine Behoerde, ich
glaub da kann man ganze Wochen, wenn nicht sogar Monate verbringen:

Das Immigration-Office


Und da muss man hin wenn man sein Visum verlaengert haben will. Sollte ja
nicht so schwer sein denkt man sich als behoerdenerfahrener
Westeuropaeer, muss man halt warten wie ueberall auf der Welt und am
Ende wird alles gut, in dem konkreten Fall, hab ich halt dann das
verlaengerte Visum im Pass.

HA! Weit gefehlt.........................

Hat mir doch Linda im Vorfeld schon erzaehlt, da gibts zuanfangs ein
"Buero", ein grosser Raum mit gaaaaaaanz vielen Stuehlen und ganz vorne
ein Tisch mit 2 Stuehlen davor, und auf diese Stuehle muss man, koste
es was es wolle, sonst gehts ned vorwaerts und nachdem es kein System
gibt, muss amn mit allen Mitteln versuchen auf diese Stuehle zu kommen.


Hab ich mir gedacht -mit dem Wissen, alles Easy- reinkommen, neben
Stuehle stellen, wenn einer der beiden frei wird draufsetzen und
weiter gehts.....

Steffi kommt also nach 7h Busfahrt in Addis an und der erste Weg geht
gleichs ins IO. Dann sagen die mir doch zuerst ob ich denn Dollar
haette, weil das ganze kostet 20 US-Dollar und ist auch NUR in dieser
Waehrung zu bezahlen. Hab ich natuerlich nicht, und auf meine Frage wo
ich denn Dollars herbekomme haben sie nur mit den Achseln gezuckt und
gesagt ich sollte bei einer Bank fragen, aha!!!!!!

Also raus aus dem IO, mit dem Taxi zur National Bank of Ethiopia um
dann dort gesagt zu bekommen, nein das geht hier nicht, also ich kann
weder Birr zu Dollar wechseln noch sonstirgendwie in der Bank an Dollar
kommen -IN DER NATIONAL BANK OF ETHIOIA!?!?!?!?!?!?!?!?!?!??!?! Hab es
natuerlich erst geglaubt, als mir die 3. Person die gleiche Auskunft
gegeben hat -und es konnt mir auch keiner der Bankangestellten sagen wo
ich denn an Dollar kommen kann 8-o, ohmmmmmmmmmm.........

hab dann einen aethiopischen Freund angerufen, ob er da eine Loesung
weiss, wusste er auch. Manche der Souveniershops neben dem IO wechseln
Birr zu Dollar, man muss sich halt durchfragen......hab ich dann auch
gemacht und mir sicherheitshalber gleich mal 40Dollar wechseln
lassen...hab mal besser ned gecheckt zu welchem Kurs, man will sich ja
nicht unnoetig aergern, langt eh schon.

Also mit 40US$ zurueck zum IO...und tatsaechlich, der Raum, viele
Stuehle, ein Tisch und 2 Stuehle in der Mitte.....das ist wie das
Kinderspiel" die Reise nach Jerusalem" wo immer ein Stuhl weniger als
Kinder sind und wenn die Musik ausgeht muessen sich alle setzen und
immer bleibt ein Kind uebrig und scheidet dann aus.....

Auf jeden Fall hatt ich Glueck und mit Lindas Worten im Ohr hab ich
mich ziemlich schnell auf einen der beiden Stuehle gesetzt -mann muss
aber auch sagen, dass ich durch meine $-Aktion natuerlich etwas spaeter
dran war (3p.m)und nicht mehr ganz so viele Leute da waren.

Die waren dann auch alle ganz freundlich, haben mir das Formular
ausgehaendigt, mir eine Nr.(WICHTIG) draufgeschrieben, mir gesagt,
welche Kopien ich benoetige und dass es fuer heute natuerlich schon zu
spaet sei und ich doch am Folgetag um10a.m. wiederkommen solle.

Da hab ich mir noch gedacht super, hab ja 2Tage eingeplant, hab die
Reise nach Jerusalem gewonnen und meine Nummer mit Unterschrift auf
meinem Antrag...................................



Dann kam heute, wo ich frohen Mutes ins IO gefahren bin. Da hab ich
erstmal das Stuhlzimmer rappellvoll gesehen und die Leute haben nen
richtigen "Chairbattle" veranstaltet. Zu meinem Glueck hat mich der
"Sachbearbeiter" vom Vortag erkannt und mich gleich auf die Seite
gesetzt. Da muss man dann warten bis im naechsten Office wieder Platz
ist (hab ich auf Nachfragen erfahren), aber dann schicken sie dich
weiter (Office Nr77). Dort gibt es eine laaange Bank auf die sich alle
setzten und auf der man dann so langsam nach vorne rueckt. Genau dann
wie ich an der Reihe war um das Office Nr77 zu betreten, es war 11am,
sagt eine nette Dame, wir sollen doch alle um 1:30pm widerkommen, weil
ab 11:30 sei ja 2stuendige Mittagspause.

Seufz, und ich war doch schon soooo nah dran, egal.

Nach der Mittagspause war ich natuerlich nichtmehr die 1. vor Office
Nr.77 aber schnell dazwischengequetscht doch auch nicht in einer
schlechten Ausgangsposition. War dann auch recht zuegig im Office um
dann festzustellen, dass es drinnen auch nicht wirklich schnell
weitergeht aus multipelsten Gruenden die diesen Rahmen sprengen, aber
gegen 3pm war ich doch auch schon dran und jetzt fing das eigentliche
Problem an.

1.(GROOOOSES) PRoblem:Mein Visum ist am 25.8. abgelaufen und die
verlangen hier 80.000Birr Strafe, das weiss ich seit heute, dass
das auch bei so kurzen Ueberschreitungen so ist. Ich hab natuerlich
gesagt, konnte nicht weg, so viel, Arbeit, NotfallOPs etc. und ich hab
auch einen entsprechenden Brief von der Uni dabei (ohne den sowieso nix
ginge) wo drin steht was ich so den lieben langen Tag mache.

2. Problem: ich flieg am 28.11 zurueck und wenn sie mir heute(27.8)
ein3Monatsvisum ausgestellt haetten, haett ich in 3 Monaten das gleiche
Problem, weswegen ich eine 4monatige Verlaengerung beantragt hab (steht
auch alles in dem Brief von der Uni)



Ich hab dem Sachbearbeiter das erklaert und der sagt auch nix und nickt
nur verstaendnisvoll, schreibt ein paar amharische Woerter auf meinen
Antrag und schickt mich ins Office Nr81. und danach soll ich
zurueckkommen..... oh, denk ich, mir hat Linda gesagt Nr.81 ist schon
mal nicht schlecht, da sei man auf einem guten Weg..... in meinem Fall
-nach kurzem Warten, wieder ein paar Amharische Worte und Office Nr80,
dort sagt er mir ohne Kommentar ich soll am Montag wiederkommen,
darufhin hab ich ihm erklaert, dass ich am Montag schon wieder arbeiten
muesste und hab ein bischen gejammert daraufhin OfficeNr12 von dort
OfficeNr11 und von dort wieder zurueck zu Nr 80, der, weil abwesend
Vertrtung Nr 81, die, weil nicht entscheidungstragend sagt ich muss
warten bis Nr.80 wieder zurueck. Der, als wieder zurueck liest, was
Nr11. geschrieben hat und sagt Montag wiederkommen, er kann mir sonst
nur 10 Tage
geben..........................................................................................................................................................................................

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!?!?!?!??!?!?!?!??!?!?!?



Das Problem ist scheinbar dass keiner da ist, der entscheiden kann,
darf oder will ob ich wirklich keine Strafe zahlen muss und ob die 4
Monate in Ordnung sind....



Also was bleibt mir anderes uebrig, jetzt muss ich am Montag wieder hin
(Samstag und Sonntag ist das IO natuerlich geschlossen, als ordentliche
Behoerde)... und weiss dann immer noch nicht wie und wann es
weitergeht, wahrscheinlich erstmal in Office Nr80, immerhin -den kenn
ich schon...................



Fortsetung folgt,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,



PS: es gibt ein Lied eines Deutschen Liedermachers, das ich heute
mehrmals im Kopf angestimmt habe, fuer alle die es interessiert



http://www.reinhard-mey.de/content.php?id=241&render=text_main

Dienstag, 10. August 2010

Dies und das

So meine ersten 1 1/2Wochen alleine sind jetzt um und eigentlich läufts ganz gut. Gewisse Dinge dauern jetzt halt noch länger, weil halt schon die morgendliche "Peitsche" zum Antreiben im OP fehlt, aber die OP-Schwestern geben sich wirklich Mühe mir zu zeigen, dass sie auch ohne Frederike arbeiten können...dafür war die Anästhesie die Woche einfach mal (wieder) in der früh nicht anwesend, so dass wir halt dann mal eine Stunde warten können bis der Anästhesist eintrudelt......

Und ansonsten....hab ich bayerisch gekocht, Semmelknödel mit Rahschwammel, Der Rahm war halt ne Mischung aus Milchpulver, Wasser, Mehlschwitze und Maizena...hab mir aber sagen lassen Palmöl und Milchpulver gibt auch nen prima Saucenrahm muss ich dann das nächste Mal probieren... :o)
und so sah das aus, zuerst in der Küche...


und dann angerichtet....

...stilecht mit Tomatensalat, hab gleich nen äthiopischen Freund eingeladen, ihm hats geschmeckt!!!!!!!!!!!!!

Nochmal so als Kontrastprogramm mein sonstiges äthiopisches Essen, Injera mit allem möglichen....
zuerst dei sog. Fasting-Variante ohne Fleisch-Beienet-(hier sind ja knapp80% Moslems und die dürfen ja nicht immer Flaisch essen)

in der Mitte Linsen mit schärfer Sosse, im Vordergrund Meis, links daneben Linsen, teilwese püriert, daneben Salat, nach rechts, Peperoni (blos nicht reinbeissen, ätzend scharf, daneben rote Beete, daneben so eine Art Spinat, dann Reis, dann Kartoffeln und Karotten...
und die gemischte Fleisch-Variante....


...wie man sieht ist nicht alles mit Fleisch und das weisse links ist sogar Käse, sie sagen hier ja immer er sei nicht von der Ziege schmeckt aber so.... :o))) und im Vordergrund der gute Taj, der einheimische Honigwein -was für ein Festmahl!!!!!!!

So ansonsten hab ich hier mal so für meine Residents in einer unverhofften OP-Pause -Patient hat gefrühstückt (es ist Ihnen hier nur schwer klar zu machen das ein kleines Sambusa (herausgebackne und frittierte Linsentasche) auch ein Frühstück ist, auch wenn sie kein Injera gegessen haben!!!!)--einen kleinen Osteosynthesekurs organisiert, sozusagen Mini AO-Kurs in Jimma -die Seehöhe wär ja die gleiche von Davos (für alle nicht Mediziner, in Davos finden sonst solche Kurse statt)....


Fast schon richtig profesionell!!! :o))

Und noch was aus der Kategorie Patientenschmankerl:

Ein Patient hat sich den Unterschenkel gebrochen und zwar Schien und Wadenbein, auf gleicher Höhe, so ziemlich in der Mitte. Daraufhin hat man ihm eine Gipsschiene angelegt, die den Fuss einschliesst und bis hinauf zum Oberschenkel zieht.....soweitsogut, als ich ihm am nächsten Tag gesehen habe, ging die Schiene nur bis knapp über die Kniekehle, auf mein nachfragen hat er geantwort es hätte ihm beim Pinkeln gestört, darauf hat er sie abgeschnitten, wir haben ihm darauf erklärt, dass er das tunlichst lassen solle, aber er hat kein Geld für Neuen Gips, also haben wir es mal so belassen. Am nächsten Tag war der Gips dann bis unter die Kniekehle gekürzt, jetzt hat es ihn gedrückt.....und einen Tag später.....

...hat er sich dann auch nochseinen Fuss befreit....wie man sieht ist der Fuss deutlich angeschwollen, kein Wundrr, jetzt wackelt ja auch alles wie ein Kuhschwanz....
Was wir machen werden????? Entweder er lässt uns den Gips, der mittlerweile organisiert werden konnte anlegen -eher unwahrscheinlich- oder er geht so wie oben zu sehen ist heim..............that`s life :o))

Freitag, 30. Juli 2010

Wie schauts eigentlich in mir aus?

Ja ist es denn zu glauben, jetzt bin ich doch schon 2 Monate hier.....Was???? schon 2 Monate, ein Drittel schon rum, daher mal eine etwas persönliche Sicht meiner Gefühlswelt hier. Wie man ja mitbekommen hat ist hier schon alles sehr anders ;o)

Am Anfang kommt man hier an und möchte am liebsten alles fotografisch festhalten und die Augenblicke jeden für sich einfangen, weil alles so speziell, neu, faszinieren, skuril oder wie auch immer ist, das man sich jeden Moment sagt "Ja das gibts doch gar nicht, das glaubt einem ja kein Mensch"...man hat ja viele Vorstellungen, aber die Wirklichkeit übertrifft diese Vorstellungen um Längen. Man kommt also im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staunen, im positiven wie auch im negativen Sinne nicht mehr heraus. Und mit der Zeit wird das dann zur Normalität, ja man wird Teil des ganzen Ablaufes, was auf der einen Seite extrem wichtig ist um hier leben zu können auf der anderen Seite schade weil einem diese kindliche Faszination ("Ui schau mal hier, oh nein dort!!!") verloren geht.
Wie war bzw. ist das für mich?
Also die ersten 2 Wochen ist das ganze wie in einem Kinofilm, einfach unglaublich und dann mit all dem scheinbaren Chaos hier. Nach 2-3 Wochen war es dann so, das ein Umdenken einsetzt. D.h. es kommt so das Einsehen, das hier ist die Realität!!!!!! Und noch mehr, wie um alles in der Welt soll ich das hier meistern, noch dazu 6 Monate. Also konkret, ich habe jeden Tag Fälle, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe und wo ich keine Ahnung habe wie ich sie behandeln soll. Wenn doch so sind das häufig Operationen, die ich noch nie durchgeführt habe. Und wenn doch so verkompliziert die hiesige Infrastruktur auch die einfachsten Sachen.... Der Kobold aus Verantwortung gepaart mit dem Wissen der eigenen und vorgegebenen Unzulänglichkeiten lastet dann sehr schwer auf den Schultern. Dazu kommt das allgegenwärtige Chaos, wo man keine Ahnung hat wie und wo anfangen......
Nach so 3 Wochen hab ich mir wirklich gedacht, wie soll ich das hier blos schaffen, psychisch vor alllem, das war wie so ein beginnender burn out.
Und dann beginnt so ein bischen das Umdenken, man wird so ein bischen afrikanischer in der Einstellung, die Fälle hier stehen einfach in keinem Lehrbuch, man muss sich hier einfach mit ein bischen sehr viel Kreativität Lösungen erarbeiten und wenn es nicht klappt, -so what-dann ist das halt so - Schicksal, aber man hat sein bestes versucht. Diese Denkweise ist hier die Überlebensstrategie, zumindest für mich. Mitgefühl ja, Mitleid nein.
Und dazu kommt dann noch, dass man mit der Zeit feststellt, hey das ist zwar Chaos, aber hat doch sein System, wenn auch sein ganz eigenes :o)) mit dem man lernt zu Arbeiten. Geht mittlerweile erstaunlich gut.
Und ab dem Zeitpunkt wird man selber wieder relaxter, so dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass ich das hier schon schaffe und auch mein Leben hier wirklich geniesse -wenn auch natürlich immer noch mit Höhen und Tiefen, wie es ja auch normal ist-überall auf der Welt- und nicht nur in Afrika :o))) Und das Land und die Leute sind einfach echt toll.
Was mir hier extrem hilft ist das wir hier zu Zweit sind und ich mich mit Frederike natürlich gut austauschen kann -extrem wichtig (Ihr geht es ja in ihrem Bereich nicht viel anders), v.a in der schwierigen Anfangszeit!!!!
Was mir sonst geholfen hat ist, dass es einen Kollegen in der Schweiz gibt, der hier insgesamt 1 1/2 Jahre war und mit dem ich mich alle paar Wochen austausche und mit ihm die Fälle diskutieren kann -das tut sooooo gut, weil er weiss wie es hier läuf, und mich in meiner Arbeit hier bestätigt.

Ja und heute hat eine neue Zeitrechnung begonnen, Frederike ist zurückgeflogen und jetzt bin ich für den nächsten Monat ganz allein. Da bin ich auch mal gespannt wie das dann läuft, wird sicher wieder ne neue Herausforderung. ABER: In einem Monat kommt Patrizia, für alle die sie nicht kennen, eine Freundin und OP-Schwester aus Münsterlingen die ich dankenswerterweise hab überreden können mich hier für 2 Monate zu unterstützen und da freu ich mich schon sehr drauf!!!!!! Und mit diesem Ziel werd ich die nächsten Wochen schon schaukeln :o))))!!!!!!!!!

Sonntag, 25. Juli 2010

Was heisst eigentlich sauber??

Tja, Sauberkeit ist hier so ne Sache, ganz zu schweigen von Sterilität.....
Wo fang ich denn da am besten an, vielleicht mit der saubersten!! Toilette im ganzen Spital???

So dass man mal einen Grundeindruck hat. Das Klo im OP zeig ich jetzz mal besser nicht ;o).
Ach ja ausser den Patienten und Ihren Angehörigen und Mitarbeitern bevölkern natürlich noch viele andere Lebewesen das Spital.

....unmengen wilde Hunde (wie man sieht durchaus auch mit orthopädischen Problemen)

...Ziegen sind seltener, die hier war gerade vor unserer Spitalapotheke unterwegs....


...verschiedene Affen, die wieder in reichler Anzahl......

..und natürlich die Geier die meistens auf den Dächern warten, bis sich eine schöne Gelegenheit zum Fressen bietet...

Dazu noch viele Krähen und auf die ganzen Insekten komm ich später noch druf zu sprechen ;o))

Im OP ist es so, dass die OP- Kleidung durchaus gewaschen wird -aber selbstverständlich nicht jeden Tag-wäre ja eine Verschwendung von Ressourcen. Aber nicht nur die OP-Kleidung wir gewaschen, OP-Kittel (Gottseidank nach 1x Gebrauch), selbstverständlich alle Stoffabdeckungen, Bauchtücher und Mundschutze -ganz egal ob eigentlich als Einwegverwendung gedacht (es ist manchmal wirklich erstaunlich wie oft ein Papiermundschutz gewaschen und wiederverwendet werden kann........


...im Hintergrund sieht man übrigens 2 Personen aus unserem OP rausschauen, der geht auf diesen Hof, Fenster sind natürlich immer offen, wenn auch mit -löchrigen Fliegengittern geschützt....

Die Bauchtücher, OP-Mäntel und Abdeckungen werden, nachdem sie schön an der Leine getrocknel sind natürlich sterilisiert. Und damit wären wir schon beim nächsten Punkt unserem Steri (für alle nicht-Mediziner, das ist die ABteilung wo alle Dinge wieder aufsterilisiert werden.
Dafür gibts verschiedene Geräte, einen winzigen Heissluftofen, dessen Tür seit ewiger Zeit schon nicht mehr zugeht, aber der Kreativität mit verschiedensten Pflastern sind ja keine grenzen gesetzt......

Und der wird vom Personal hier heissgeliebt und daher immer randvoll gestopft, ob die Wirkung natürlich mit defekter Tür noch dieselbe ist..........................................................
Dann gibt es noch 2 grössere Geräte, die nicht ganz so desolat sind, aber auch fast immer randvoll gepackt werden.

Linda hat mal einen wunderbaren Test gemacht, sie hat einfach mal in ein gepacktes Sieb vor der Sterilisation eine lebende Kakerlake -die selbstverständlich neben Fliegen und Spinnen auch unseren Operationen beiwohnen und auch in sämtlichen OP-Räumen in ausreichender Zahl vorhanden sind- gesteckt, die nach der Sterilisation genauso quietschlebendig wie vorher aus dem Sieb gekrabbelt ist, es lebe die Hygiene in der Traumatologie!!!!!!!!! (OP-Schwester B aus M hätte schon längst einen Herzinfarkt, bitte nicht persönlich nehmen :o))))
Dann gibt es noch ein neues gesponsertes Gerät, nur das funktioniert nur mit destilliertem!!!!!! Wasser -wie schön, dass wir hier untertags meistens noch nicht mal Hahnenwassser haben, -welch unglaublich schlaue Spende!!!!!!!!

So, was braucht man sonst noch so alles zum Operieren??
Kompressen, die werden über den Tag hinweg vom Steri-Personal und von den OP-Schwestern feinsäuberlich gefaltet und dann sterilisiert.
Zusammen mit denn Verbänden und den Bauchtüchern stehen sie dann in Wunderbaren Metallbehältern im OP, wo sie je nach Bedarf mit einer Fasszange hersusgeholt werden und auf den Instrumentiertisch gelegt werden.

(dahinter im Übrigen die Durchreiche zum Steri)

Wie oft diese Zange gereinigt wird und was so in der Zwischenzeit sonst noch so mit ihr aufgehoben wird, will man gar nicht so geau wissen.
Oh, und dann haben wir natürlich noch Sauger und Diathermie. Die weden nach dem Waschen in einen Eimer, der am Boden steht gelegt, in dem angeblich Sidexlösung sein soll (hochpotentes eigentlich ätzendes Desinfektionsmittel), aber wenn Frederike und ich daran schnuppern riecht das ganze doch eher nach Seifenlauge.

Und wie man auf dem Foto sieht, schaut auch immer mindestens ein Teil aus der -wasauchimmer-Lösung heraus, ist also nie und nimmer wirklich steril, daher nehm ich auch wenn es sich irgendwie vermeiden lässt keinen Sauger, auf die Diathermie verzicht ich lang nicht so gern, seufz....
Soviel zu den Vorbereitungen.....die Handschuhe(es gibt nur die Grössen 7,5 8,5 und 9)sind durchaus als porös zu bezeichnen, ich bin oft genug froh bei bestimmten Operationen meine eigenen 7er dabei zu haben.
Zum Personal: Die OP-Schwestern sind fast alle wirklich sehr bemüht steril zu arbeiten, das Problem ist einfach, dass die allermeisten incl Anästhesi und Assistenten einfach keine Vorstellung haben was steril wirklich heisst und welche Bedeutung das insbesondere bei Osteosynthesen hat ( -wie auch bei den o.a. Grundvoraussetzungen....)
Kleine Anekdoten gefällig???
OP-Schwester steht steril am Tisch, da fällt Ihr ein, dass sie noch erinen Kaugummi im Mund hat der justament jetzt raus muss, also kurz mit der sterilen Hnad Mundschutz heruntergezogen, Kaugummi auf den Boden gespuckt, Mundschutz wieder hoch und weiter geht die OP....
Assistent hat besonders tollen (in meinen Augen höchst schwachsinnigen OP-Kittel an wo der Mundschutz sozusagen im Kittel integriert ist. Assistent freut sich aber darüber, weil das ja ein ganz besonderer Kittel ist und macht sich mit seinen sterilen Handschuhen den Mundschutz selber hinter dem Kopf zu.
Und von den Geschichten gibts wahrlich genug.....
Apropos Mundschutz, der hängt bei 50% aller Personen im OP unter der Nase....das freut den Rotz!!!!! Mich nicht!!!!

Na dann, es lebe die Sterilität :o)))!!!

Montag, 19. Juli 2010

Kurztrip in den Süden...oder soweit es die Zeit halt zulässt

So, nachdem wir jetzt ja schon knapp 7 Wochen hier sind und Frederike mich in 2 Wochen schon wieder verlässt haben wir uns überlegt ist es an der Zeit einen kleinen 5-tägigen Kurzurlaub zu machen. Wir wollten in den Süden....was man dazu wissen muss ist, dass man für den eigentlichen Süden Äthiopiens, das South Omo Valley mindestens 2 Wochen veranschlagen muss, weil die Strasssen dort so sind das man mit ca 20 km/h vorankommt -im 4x4 versteht sich, was anderes kann da gar nicht fahren. OK, wir haben uns dann damit begnügt Richtung Süden zu fahren, bis Konso, das ist sozusagen das Tor zum Omo Valley.
Es gibt zwar von Jimma eine Strasse Richtung Süden, die ist aber in der Regenzeit unbefahrbar.... Und aher muss man, wenn man da runter will von hier erstmal 350km nach Norden, nach Addis Abeba um von dort dann wieder 600 km in den Süden zu fahren. Und gute bzw. ordentliche Strassen heisst dann noch ned gleich asphaltiert und wenn asphaltiert, dann teilt man sich die Strasse ausser mit gelegentlichen Bussen/Lastern/Autos (die selbstverständlich bei uns alle keine Zulassung mehr hätten) mit Unmengen Menschen, Eseln, Buckelrindern, Hunden, Schafen und Ziegen. Also auf gut deutsch, man kommt ned gerade schnell voran. Somit haben wir die Tage ca. 40h im Auto gesessen und uns von unserem Guide quer durch Äthiopien fahren lassen :o)))

Zuerst einmal unser Guide, Afa, sehr nett, umgänglich und hilfsbereit:

....dann ein paar Impressionen unserer Strassen hier....

ja ich weiss unscharf, ist aber während der Fahrt aufgenommen, wir haben ja wiegesagt ausser schlafen die meiste Zeit im Auto verbracht..


Wie man sieht von guten Asphalt bis holprigem Sand es ist als Belag alles dabei und dementsprechend variiert das Fahrtempo zwischen 20-120km/h....(wobei mit 120km/h durch Kuhherden und spielende Kinder hindurch zufahren die max 20cm!!!! von einem entfernt sind verursacht auch gewisse Adrenalinspitzen......
Zuerst also über Addis nach Awassa wo es einen wunderbaren Fischmarkt gibt, wo man den Fischnoch am Boot kaufen kann..und auch roh probieren -Frederike hat sich den Genuss des äthiopischen Sushis angetan, ich ein paar Stunden später auch, gar nicht so schlecht.


natürlich gibt es auch andere Interessenten für den Fisch...


Danach gings weiter Richtung Süden zuerst in die Guge Mountains zu den Dorze, die ihr Geld mit Weben von, verschiedenen Stoffen verdienen,...bekannt sind v.a. die Deutschen Farben :o))) (rechts im Bild)


Zudem haben sie auch eine für sie eigene Hausbauweise, aus Bambus und geflochtenenBananenblättern. Die sind so miteinander verwoben, dass es keinen Mittelpfeiler braucht um Stabilität zu erreichen.

Die Haupthäuser sind 12m hoch, werden über die Jahre aber von den Termiten "gekürzt", so dass sie zum Schluss die Höhe haben wie man hier grad sieht...nur die Tür mass halt auch immer nachgeschnitten werden :o))

Noch ein paar Eindrücke aus Dorze...
...das mit dem Weben muss ich natürlcih auch gleich probieren (nach 2x ist mir schon die Spindel gerissen..ist vielleicht doch nicht meines... ;o)


....Wasserpfeife probieren auf dem Mercato unter den strengen Augen der weiblichen Dorfältesten....

...und natürlich darf auch die traditionelle Kaffeezeremonie nicht fehlen....


Danach gings weiter nach Arba Minch, wo wir uns in der Paradise Lodge einquartiert haben, die ihrem Namen wirklich alle Ehre macht...wirklich zu schade, dass wir nur eine Nacht hier waren. Seufz.....

Aber am nächsten Morgen gings jaq schon weiter in den Nechisar National Park, ich glaub die folgenden Bilder sagen schon alles...

..das ist im übrigen der STrand wo wir 1 min später an Land gegangen sind....




...was man da rechts unten blau im Eck sieht ist der Rand unseres Bootes, wir sind also in echt wirklich nur 40cm!!!! von den Nilkrokodilen weg, absolut beeindruckend, an die Nilpferde kann man nur 10-15m ran, die sind nämlich weitaus gefährlicher.....

Von dort gings dann weiter Richtung Süden wo, die Konso leben, das "nördlichste" Volk aus Südäthiopien, wir haben eines Ihrer Dörfer besucht, das im Volksmund NewYork heisst wegen den eigentümlichen Sandstein"Hochhäusern am Dorfrand.

Die Konso sind berühmt für Ihre Kriegerdenkmäler, lebensgrosse Figuren auf dem Dorfplatz, die einen Penis auf der Stirn haben...leide,leider hat natürlich NewYork keinen Krieger mehr und für die Nachbardörfer hat die Zeit gefehlt...hier unten fährt man nämlich nur 10-15km/h auf den Strassen und die Abstände sind durchaus schon mal >25km.....
Hier mal so ein Eindruck von einem Konso-Grundstück incl. Umzäunung.

Die Konso selbst tragen so eine Art gestreifte Tracht, die Frauen als Röcke, die Männer als kurze Hosen, die v.a. bei den Männern so ein bischen an die Schweizer Garde im Vatikan erinnert. Leider hab ich keine Photos von den Bewohnern, da das hier extrem schwierig ist mit dem Fotografieren und nicht gern gesehen ist.

Tja und anschliessend sin wir wieder Richtung Norden aufgebrochen...natürlich nicht ohne auf dem Weg noch 2x die fast obligatorische Reifenpanne zu haben.....



Wir haben dann noch einen Zwischenstop etwas südlich von Addis eingelegt, in Debri Zeit, in einer Lodge eigentlich wunderschön gelegen an einem Vulkankratersee...

...aber natürlcih kein Strom, damit kein warmes Wasser und Regen!!!!!

(Den hatten wir Gott sei Dank im Süden überhaupt nicht, da war es überall schön.)

Und zum Abschluss noch ein Bild von der Fahrt vom Ghibe-River der sich in einem der Nachbartäler seinen Weg gesucht hat, laut unserem Guide war da vor 4-5 Jahren im Tal noch fast alles Wüste, unglaublich, oder?????

und noch ein paar Kilometer hinter den Bergen im Hintergrund kommt dann Jimma, wo wir mittlerweile wieder heil angekommen sind und wieder dem ganz normalen chaotischen Alltagswahnsinn fröhnen.... :o)))))

PS: Wie maqn übrigens erkennen kann, ist Äthiopien in den meisten Teilen ziemlich grün!!!!!!!