Freitag, 17. September 2010

Patienten

Mal wieder was zzu meiner...... Ja, wen behandel ich denn eigentlich???? Das ist eine extrem bunte Mischung aus unfallchirurgischen Fällen, Tumoren, Knochen- o.a. Entzündungen aller Art , Fehlstellungen, Fehlbildungen, Verbrennungen....viele Fälle sind sehr traurig, aber die Patienten selber sind -meistens-wirklich eindrücklich. Ein paar stelle ich hier jetzt einfach mal vor:

Solomon, nach einem schweren Motoradunfall mit völlig zertrümmertem Schienbeinkopf eingeliefert, 2x operiert( 1.Mal 2 Platten, 2. Mal Korrektur von 2 Schrauben, da ich ja hier ohne intraoperatives Röntgen arbeite kommt sowas schon mal vor) einer der wenigen die englisch sprechen, noch dazu sehr gut, einer meiner absoluten Lieblingspatienten...

im Vordergrund seine Tochter, an seinem Bett seine Frau und seine Schwester und im Hintergrund ein Haufen Nurse-students........


Diese kleine Patientin hatte einen Ellenbruch, den wir verplattet haben, es ist ihr 2.Tag nach der OP, und keine Angst, die Hand ist völlig normal, die hält sie nur so komisch....könnt ihr mir wirklich glauben, da hab ich keinen Nerv kaputt gemacht!!!! Eine ganz süsse Maus, leider HIV pos.

...sowas erfährt man dann ganz zufällig 5 min vor der OP, aber besser spät als gar nicht.....

Diese Frau hatte einen Fuss, der komplett von einem Weichteiltumor in einen schrecklich stinkenden Klumpen umgewandelt war, nach laaanger Überredung hat sie sich dann schliesslich Unterschenkelamputieren lassen.

...natürlich war der Tumor über die letzten 4 Jahre!!!!!!!! vor sich hingewachsen

Einer meiner jüngsten Patienten mit einer Hüftkontraktur (Hüfteinsteifung) auf Grund eines Abszesse wo am Anfang nicht klar war ob eine Hüftgelenksentzündung zugrunde liegt.


..übrigens ganz typisch, hier werden die Kinder an allen möglichen und unmöglichen Orten gestillt und manchmal lassen die Mütter ihre Brüste einfach den ganzen Tag draussen hängen...
Der kleine hatte übrigens Glück, er hatte keine Gelenksentzündung und hat nur ein paar eher unschöne Verbandswechsel von mir über sich ergehen lassen müssen, das Bein haben wir in einer Extension wieder gestreckt und ist quietschfidel wieder nach Hause gegangen; am Kopf sieht man übrigens noch die venöse Leitung für die Antibiotikatherapie....

So hier ist ein Leprapatient, man sieht es an seinen Händen und nicht mehr vorhandenen Unterschenkeln. Er hat einen furchtbaren Stumpfinfekt rechts entwickelt, wo der Knochen unten rausgeschaut hat, so dass ich den Stumpf gekürzt habe, aber auch auf der anderen Seite ist er nicht sauber voramputiert, mit immer widerkehrenden Druckstellen, man sieht ja bereits einige davon, und wird über kurz oder lang auch hier nachamputiert werden müssen...
,

Solche Patienten sind, wie er auch, sehr depressiv (nehmen sogar Antidepressiva), aber auch er lacht seit der Amputation immer öfter!!!!!!!!


Jetzt kommt ein ganz trauriger Fall, Neiser. Er hat sich eigentlich eine ganz harmlose Oberarmfraktur im unteren Bereich zugezogen, die noch nicht mal verschoben war, also bei uns hätte man einen Gips für 4 Wochen angelegt und fertig. Hier geht man halt auf dem Land zum traditional Healer und der legt dann eine Bambusschiene an, die fest angezurrt wird, was dann leider -nicht so selten- zum absterben des Armes führt, wie auch in diesem Fall, ich hab fast eine Woche lang versucht den Arm zu retten, aber leider vergebens.....

Er hat durch seine absterbenden Muskeln eine schwere Sepsis entwickelt und es hat auch noch nach der Operation noch sehr lange gedauert bis er wieder so lachen konnte und verstecken spielen konnte wie auf den Fotos.


Bei dieser jungen Dame hat der Oberarmknochen für fast eine Woche aus der Haut heraus geschaut, er war halt gebrochen, aber es gibt ja wichtigeres als mit der Tochter ins Spital zu kommen, sie hat wie man sieht einen Fixateur externe bekommen , aber der Eiter ist auch trotz ausgiebigem Debridement und entsprechend schmerzhaften Verbandswechseln noch seehr lange geflossen, aber auch sie hat zum Schluss immer gelacht, der Langzeitverlauf muss aber abgewartet werden.....

Ein weiteres eher trauriges Kapitel sind die vielen Verbrennungskontrakturen, Verbrennungen kommen hier in jedem Alter, aber v.a. bei den Kindern sehr häufig vor, da zuHause meistens mit Holz geheizt wird und dementsprechend immer alles mögliche Feuer fängt.
Die folgende Patientin hat sich im Alter von 1a verbrannt worauf sich die Narbe zu unterem Photo entwickelt hat, also seit 16 Jahren ist der Fuss verkrüppelt am Hintern.

Was wir gemacht haben ? Throughknee amputiert, also das Kniegelenk exartikuliert, so dass sie jetzt endlich eine normale Prothese tragen kann, und es ist wirklich unbeschreiblich, als sie das erste mal den Stumpf nach der Operation gesehen hat, hat sie geweint vor Glück.
Vor der Operation war sie sehr depressiv und hat viel, viel geweint und danch wie unten zu sehen war sie ein fröhlicher, lachender Teenie....

Das ist manchmal so verrückt, Du amputierst und die Leute lieben Einen dafür......

Ein weiterer Kampf um die Hand ist Tamirat, der hat einen Abszess am Handrücken entwickelt, der auch in auswärtigen Healthcentern mit irgendwelchen Salben behandelt wurde. Als ich ihn das erst mal gesehen hab, war der ganze Teil über dem Handgelenk, inclusive Haut, Sehen, Muskeln und Knochen einfach weggebutter, weiss Gott, was die da drauf geschmiert hatten. Wir haben alles totes Gewebe inclusive dem gesamten Handgelenk weggenommen, lebendig sind also nur noch die vorderen Weichteile ( die aber Gefässe und Nerven enthalten). So dass er jetzt zwar seine Hand noch hat, aber keine Stabilität, weil ja nix mehr da ist, was die Hand hält. Wenn er Glück hat ist die sich jetzt entwickelnde Narbe stabil genug die Hand langfristig zu halten, ansonsten wird er immer eine Schiene zur Stabilisierung benötigen....

...aber alle sind froh, dass die Hand noch dran ist. Mit ihm übrigens einer seiner älteren Brüder, der Tag und Nacht über seinen kleinen Bruder wacht. Tamrat hat übrigens bei den Verbandswechseln, die er ja täglich hat noch kein einziges mal geschrien oder geweint. Nur am Anfang ab und zu gestöhnt, ein ganz toller junger Mann!!!!!!


Dieser Junge ist in einen rostigen Nagel getreten und hat dann eine chronische Knochenentzündung im Fersenbein entwickelt. Wir haben das Fersenbein vollständig ausgekratzt, danach sind die se Patienten immer für mindestens 2 Wochen unter iv- Antibiose und danach noch für mind 4. Wochen unter oraler Antibiose ( Für alle Mediziner: die Kombi hier ist Ampicillin und Chloramphenicol 4xd)


Nur mal so zum vorstellen wie die Leute in meine Sprechstunde kommen. Diese junge Dame kam mit ihrem Vater vor 1 Woche, seit ungefähr 2 Monaten schaut ihr das Schienbein aus dem Unterschenkel.......

Mittlerweile auch operiert, der tote Knochen ist entfern, das ganze Schienbein debridiert und ein Muskellappen hereingeschlagen um die "Heilung" zu fördern, bisher schauts aber gar nicht so schlecht aus :o))

So, das war mal so ein ganz bunter Einblick in meine Patienten, aber wie man sieht egal wie sclimm es für uns auch scheinen mag, uhre Lebensfreude haben sie alle nicht verloren, sondern sind alle fröhliche Menschen geblieben und das zu erleben ist echt toll!!!!!

Vor einer Woche ist mir aber auch das erste Kind gestorben, ein 12jähriges Mädchen mit wahrschenlich TBC bedingten Gelenksentzündungen von Knie und Hüftgelenk. Wir haben einen für hier Routineoperation durchgeführt und am Abend der Operation ist sie gestorben, davon hab ich natürlich erst am nächsten Morgen erfahren.....das geht einem dann schon unter die Haut.
Ich hab dann versucht rauszufinden was die Ursache gewesen sein könnte, Autopsie o.ä. gibts ja hier nicht, wahrscheinlich hat sie eine Fett, oder Luftembolie gemacht, aber ausser mir interessiert das hier ja keinen und gaht auch keinem Nahe, gehört halt zum Leben dazu. Hart, sehr hart...................

So, aber wie hier das Leben ist mach ich auch gleich mit was anderm weiter,
kleine Bilderserie aus dem OP:

Stromausfall, Gott sei Dank hat Patricia ihre STirnlampe dabei gehabt :o)))

1. Legen des venösen Zuganges (was ich hier wieder Leitungen lege-aber damit kann man ganz schnell in den Heldenstatus aufsteigen :o)))))))


2. Stechen der Spinalanästhesie, nachwievor mit mir als flexible Beleuchtung, die auf Zuruf reagiert.....


3: Operation, in dem Fall eine Unterschenkelamputation nach schwerstem Quetschtrauma


..und noch was aus dem OP-Kuriositätenkabinett.......
Das, was da auf dem frisch desinfizierten Bein sitzt....

...ist nämlich ein Schmetterling!!!!!!!!!!!!!!
Arggggghhhhhhh, der ist ja nun wirklich keine kleine Fliege die durch irgendwelche Löchelchen hereinkommt.

...er hat diesen beleuchteten Fleck aber nicht mehr lebend verlassen.................................................................... :-O

Mittwoch, 8. September 2010

Nimmer allein!!!

Mittlerweile bin ich wieder heil von meiner Mission "Visumsverlängerung" aus Addis zurückgekehrt, mit gültigem 3-Monatsvisum im Pass -sogar mit Foto!!!!!!
Wie man feststellt, dass man wieder in Jimma ist? Indem man, wenn man aus dem Bus hier aussteigt, gleich mal wieder knöcheltief im Matsch steht :o)))...und gleichzeitig unendlich froh ist wieder daheim zu sein.

Und der Empfang im Spital- einfach unbeschreiblic-h, Patienten und Pflege haben mich umarmt mir zigfach die Hände geschüttelt -wie wenn ich jaaahrelang weggewesen wäre und alle haben mir gratuliert zu diesem "Sieg" über die Bürokratie -so machts Spass wieder zur Arbeit zu gehen...

Und noch viel wichtiger:

ICH BIN NICHT MEHR ALLEIN, PATRICIA IST DA!!!!!!

freufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreufreu

Einfach jemand, der einen wieder im Kampf mit dem täglichen Wahnsinn unterstützt, bei dem man auch nur mal auf Deutsch Dampf ablassen kann tut soooo unendlich gut.
Und ich hab einfach schon in der letzten Zeit gemerkt dass mich dieses an allen Fronten zuständig sein ganz schön Energie gekostet hat, man merkt einfach wie die Reizschwelle sinkt...und meine stoische Ruhe und Gelassenheit mich immer öfter verlassen hat.

Hab Patricia dann auch gleich mal ein bischen hier eingefuehrt

..am ersten Abend mit vielen Freunden im traditionellen Restaurant, hier mit Eneyew meiner Stationsleitung.....

Dann kleiner Ausflug zu Abba Jiffars Palace, der einzigen offiziellen "Sehenswürdigkeit" in Jimma. Wir haben dann ein paar Dörfler getroffen, die sich uns bis zum Palace angeschlossen haben -ist ne ca 1h Wanderung bergauf- und oben voll Frude unsere Reiseführer studiert haben -wohl eher als Bilderbuch-aber immerhin ;o))).



Zusätzlich waren da ein Haufen von Graduates und für Einheimische sind wir ja hier sowas wie DIE VIPS für ihre Photos, und so haben wir - mal nur mit einzelnen, mal mit deren Familien oder eben auch mit der ganzen Gruppe Fotos gemacht -insgesamt ca 40-50mal......

...da weiss man dann wie sich "Star-sein" so anfühlt :o))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))

Ansonsten hab ich Ihr so ein bischen Jimma gezeigt, wir sind dabei an einem wunderbaren Möbelwagen vorbeigekommen....


...typischen Jimmaszenarien, wie ne kleine Bajaj-Bodenwäsche.....


....übrigens so kann man sich auch nach Hause bringen lassen und zwar bis vor die Haustür!!!


Und dann gi bts auch ein deutsches Auto in Jimma, das einzige seiner Art hier, aber in Addis äusserst beliebt, dem ALter und Rostgrad sind natürlich keine Grenzen gesetzt.....


Und dann hab ich sie noch zum Schneider mitgenommen, wo ich mir einen schönen Hosenanzug hab machen lassen ;o)))....

...die Nähmaschinen sind doch unschlagbar?!?!?!


Und zum Schluss für diesen Eintrag noch das momentane Datum, in deisem Fall auf meinem tgl. Board....

.., der 2.13.02, aber der 13. Monat hat ja nur 5Tage, so dass ich nicht allzu häufig in den Genuss kommen werde, ein solches Datum zu schreiben.......

Dienstag, 31. August 2010

..und die 3.

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!! Ist es denn zu glauben, ich hab meine Verlaengerung fuer 3 Monate!!!!!!!!!!!!!!!!! Mein Gott was fuer ein Riesenstein ist mir vom Herzen gefallen.....

Heute also in Office Nr. 95 ....vor mir 2 weitere Auslaender, Studenten, die hier 1 Jahr -natuerlich umsonst- arbeiten und jetzt nach 3 Monaten die residency permit beantragen wollten; denen ist nur gesagt worden, sie haben ja nur ein Tourist Visum und fuer ihren Antrag brauchts ein Business Visum und das kann hier nicht ausgestellt werden, sondern nur in ihrem Heimatland, sie muessten also zurueckfliegen (GB bzw. Kanada), sich das Business Visum aussstellen lassen und dann wiederkommen..........ich bin also wahrlich nicht die einzige der meterhohe Steine in den Weg gelegt werden.... Waaahnsinn?!?!?!?!?!?!?

In Office Nr.95 seeeeeehr lange Diskussion, aber nachdem ich ihm auch mein Rueckflugticket und auch meinen Letter of invitation, der ja fuer 6 Monate ausgestellt war gezeigt habe -er konnt es auch nach mehrerem Nachfragen nicht glauben dass ich hier nix verdiene- hat er mir dann die Erlaubnis fuer 3 Monate ausgestellt.
Mittlerweile weiss ich auch das eigentliche Problem. Businessvisas werden hier generell nur max.14 Tage verlaengert, alles andere ist normalerweise die Beantragung eines Residency permits.
Danach ging alles ganz schnell, zurueck in Nr 80, von dort wieder in Nr.77, von dort zur Zahlstelle in Nr.78 und eigentlich gibt man dann dort seinen Pass ab und holt ihn am naechsten morgen. Nachdem ich jetzt aber alle ganz gut kenne hatte ich nach einer neuerlichen Stipvisite in Nr.80 "urgent" auf meinen Unterlagen und jetzt kann ich alles heute Nachmittag abholen und morgen zurueck nach Jimma!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber jeder Sachbearbeiter hat wirklich groooosse Augen gemacht als er die -bewilligten- 3 Monate auf meinem Antrag gesehen hat, scheint hier wirklich ne aussergewoehnliche Raritaet zu sein.

So und das ist hoffentlich das Ende meiner kleinen Behoerdentrilogie aus Addis............



Montag, 30. August 2010

...Klappe, die 2.

...oder soll ich besser sagen, die 3., weil es ist ja heut schon mein 3. Tag im IO und um es vorne weg zu nehmen, nicht der letzte.

Heut Morgen Punkt 9 a.m. also im Office Nr. 80, der mich auch sofort erkannt hat und mir gesagt hat er kann das nicht entscheiden -ach, da waer ich nach letzter Woche gar nicht drauf gekommen- ich muss ins Office Nr.95.

Dort steht immerhin an der Tuer "Head of Immigration", also schein ich jetzt wenigstens schon Chefsache zu sein....
Die Sekretaerin hat aber dann nur geagt -come back tomorrow- und irgendwie bin ich auf diesen Satz mittlerweile ziemlich allergisch, was dann auch dazu gefuehrt hat in einen kleineren Heulkrampf auszubrechen vor Wut, Verzweiflung und Aerger, und ich ihr versucht hab mal die Lage zu schildern, dass es ja gar nicht um mich bloeden Auslaender geht sondern um meine, im uebrigen ja aethiopische Patienten, die einfach nicht versorgt werden, waehrend ich hier in Addis bin.
Daraufhin hat sie mich ins Office Nr.12 geschickt (alle niederen Nummern sind eigentlich nationale Angelegenheiten), dort wieder Nr. 11, der kannte mich ja auch vom letzten Freitag noch und hat gesagt ich muesste zu seinem Boss (nicht Nr 95!!!!) und dem sein Boss hat aber dann auch nur gesagt, dass er das nicht entscheiden kann, weil mein Antrag illegal sei!?!?!??!?!?!?!?!??!?!?!??!?
Auf meine Frage was denn daran illegal sei hat er mir aber auch keine Antwort geben koennen und mich wieder zurueck zu Office Nr.95 geschickt.
Und die Sekretaerin hat mir versichert, dass ihr Chef morgen um 9 Uhr sicher da sei...............was ja auch noch lang nicht heisst, dass es dann klappt.....schau mer mal....

...Fortsetzung folgt.......

Sonntag, 29. August 2010

Kleines Behoerden 1x1, Klappe die 1. ......

In Addis gibt es viele Behoerden, mit den meisten hat man als
Auslaender nicht allzuviel zu tun, aber es gibt eine Behoerde, ich
glaub da kann man ganze Wochen, wenn nicht sogar Monate verbringen:

Das Immigration-Office


Und da muss man hin wenn man sein Visum verlaengert haben will. Sollte ja
nicht so schwer sein denkt man sich als behoerdenerfahrener
Westeuropaeer, muss man halt warten wie ueberall auf der Welt und am
Ende wird alles gut, in dem konkreten Fall, hab ich halt dann das
verlaengerte Visum im Pass.

HA! Weit gefehlt.........................

Hat mir doch Linda im Vorfeld schon erzaehlt, da gibts zuanfangs ein
"Buero", ein grosser Raum mit gaaaaaaanz vielen Stuehlen und ganz vorne
ein Tisch mit 2 Stuehlen davor, und auf diese Stuehle muss man, koste
es was es wolle, sonst gehts ned vorwaerts und nachdem es kein System
gibt, muss amn mit allen Mitteln versuchen auf diese Stuehle zu kommen.


Hab ich mir gedacht -mit dem Wissen, alles Easy- reinkommen, neben
Stuehle stellen, wenn einer der beiden frei wird draufsetzen und
weiter gehts.....

Steffi kommt also nach 7h Busfahrt in Addis an und der erste Weg geht
gleichs ins IO. Dann sagen die mir doch zuerst ob ich denn Dollar
haette, weil das ganze kostet 20 US-Dollar und ist auch NUR in dieser
Waehrung zu bezahlen. Hab ich natuerlich nicht, und auf meine Frage wo
ich denn Dollars herbekomme haben sie nur mit den Achseln gezuckt und
gesagt ich sollte bei einer Bank fragen, aha!!!!!!

Also raus aus dem IO, mit dem Taxi zur National Bank of Ethiopia um
dann dort gesagt zu bekommen, nein das geht hier nicht, also ich kann
weder Birr zu Dollar wechseln noch sonstirgendwie in der Bank an Dollar
kommen -IN DER NATIONAL BANK OF ETHIOIA!?!?!?!?!?!?!?!?!?!??!?! Hab es
natuerlich erst geglaubt, als mir die 3. Person die gleiche Auskunft
gegeben hat -und es konnt mir auch keiner der Bankangestellten sagen wo
ich denn an Dollar kommen kann 8-o, ohmmmmmmmmmm.........

hab dann einen aethiopischen Freund angerufen, ob er da eine Loesung
weiss, wusste er auch. Manche der Souveniershops neben dem IO wechseln
Birr zu Dollar, man muss sich halt durchfragen......hab ich dann auch
gemacht und mir sicherheitshalber gleich mal 40Dollar wechseln
lassen...hab mal besser ned gecheckt zu welchem Kurs, man will sich ja
nicht unnoetig aergern, langt eh schon.

Also mit 40US$ zurueck zum IO...und tatsaechlich, der Raum, viele
Stuehle, ein Tisch und 2 Stuehle in der Mitte.....das ist wie das
Kinderspiel" die Reise nach Jerusalem" wo immer ein Stuhl weniger als
Kinder sind und wenn die Musik ausgeht muessen sich alle setzen und
immer bleibt ein Kind uebrig und scheidet dann aus.....

Auf jeden Fall hatt ich Glueck und mit Lindas Worten im Ohr hab ich
mich ziemlich schnell auf einen der beiden Stuehle gesetzt -mann muss
aber auch sagen, dass ich durch meine $-Aktion natuerlich etwas spaeter
dran war (3p.m)und nicht mehr ganz so viele Leute da waren.

Die waren dann auch alle ganz freundlich, haben mir das Formular
ausgehaendigt, mir eine Nr.(WICHTIG) draufgeschrieben, mir gesagt,
welche Kopien ich benoetige und dass es fuer heute natuerlich schon zu
spaet sei und ich doch am Folgetag um10a.m. wiederkommen solle.

Da hab ich mir noch gedacht super, hab ja 2Tage eingeplant, hab die
Reise nach Jerusalem gewonnen und meine Nummer mit Unterschrift auf
meinem Antrag...................................



Dann kam heute, wo ich frohen Mutes ins IO gefahren bin. Da hab ich
erstmal das Stuhlzimmer rappellvoll gesehen und die Leute haben nen
richtigen "Chairbattle" veranstaltet. Zu meinem Glueck hat mich der
"Sachbearbeiter" vom Vortag erkannt und mich gleich auf die Seite
gesetzt. Da muss man dann warten bis im naechsten Office wieder Platz
ist (hab ich auf Nachfragen erfahren), aber dann schicken sie dich
weiter (Office Nr77). Dort gibt es eine laaange Bank auf die sich alle
setzten und auf der man dann so langsam nach vorne rueckt. Genau dann
wie ich an der Reihe war um das Office Nr77 zu betreten, es war 11am,
sagt eine nette Dame, wir sollen doch alle um 1:30pm widerkommen, weil
ab 11:30 sei ja 2stuendige Mittagspause.

Seufz, und ich war doch schon soooo nah dran, egal.

Nach der Mittagspause war ich natuerlich nichtmehr die 1. vor Office
Nr.77 aber schnell dazwischengequetscht doch auch nicht in einer
schlechten Ausgangsposition. War dann auch recht zuegig im Office um
dann festzustellen, dass es drinnen auch nicht wirklich schnell
weitergeht aus multipelsten Gruenden die diesen Rahmen sprengen, aber
gegen 3pm war ich doch auch schon dran und jetzt fing das eigentliche
Problem an.

1.(GROOOOSES) PRoblem:Mein Visum ist am 25.8. abgelaufen und die
verlangen hier 80.000Birr Strafe, das weiss ich seit heute, dass
das auch bei so kurzen Ueberschreitungen so ist. Ich hab natuerlich
gesagt, konnte nicht weg, so viel, Arbeit, NotfallOPs etc. und ich hab
auch einen entsprechenden Brief von der Uni dabei (ohne den sowieso nix
ginge) wo drin steht was ich so den lieben langen Tag mache.

2. Problem: ich flieg am 28.11 zurueck und wenn sie mir heute(27.8)
ein3Monatsvisum ausgestellt haetten, haett ich in 3 Monaten das gleiche
Problem, weswegen ich eine 4monatige Verlaengerung beantragt hab (steht
auch alles in dem Brief von der Uni)



Ich hab dem Sachbearbeiter das erklaert und der sagt auch nix und nickt
nur verstaendnisvoll, schreibt ein paar amharische Woerter auf meinen
Antrag und schickt mich ins Office Nr81. und danach soll ich
zurueckkommen..... oh, denk ich, mir hat Linda gesagt Nr.81 ist schon
mal nicht schlecht, da sei man auf einem guten Weg..... in meinem Fall
-nach kurzem Warten, wieder ein paar Amharische Worte und Office Nr80,
dort sagt er mir ohne Kommentar ich soll am Montag wiederkommen,
darufhin hab ich ihm erklaert, dass ich am Montag schon wieder arbeiten
muesste und hab ein bischen gejammert daraufhin OfficeNr12 von dort
OfficeNr11 und von dort wieder zurueck zu Nr 80, der, weil abwesend
Vertrtung Nr 81, die, weil nicht entscheidungstragend sagt ich muss
warten bis Nr.80 wieder zurueck. Der, als wieder zurueck liest, was
Nr11. geschrieben hat und sagt Montag wiederkommen, er kann mir sonst
nur 10 Tage
geben..........................................................................................................................................................................................

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!?!?!?!??!?!?!?!??!?!?!?



Das Problem ist scheinbar dass keiner da ist, der entscheiden kann,
darf oder will ob ich wirklich keine Strafe zahlen muss und ob die 4
Monate in Ordnung sind....



Also was bleibt mir anderes uebrig, jetzt muss ich am Montag wieder hin
(Samstag und Sonntag ist das IO natuerlich geschlossen, als ordentliche
Behoerde)... und weiss dann immer noch nicht wie und wann es
weitergeht, wahrscheinlich erstmal in Office Nr80, immerhin -den kenn
ich schon...................



Fortsetung folgt,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,



PS: es gibt ein Lied eines Deutschen Liedermachers, das ich heute
mehrmals im Kopf angestimmt habe, fuer alle die es interessiert



http://www.reinhard-mey.de/content.php?id=241&render=text_main

Dienstag, 10. August 2010

Dies und das

So meine ersten 1 1/2Wochen alleine sind jetzt um und eigentlich läufts ganz gut. Gewisse Dinge dauern jetzt halt noch länger, weil halt schon die morgendliche "Peitsche" zum Antreiben im OP fehlt, aber die OP-Schwestern geben sich wirklich Mühe mir zu zeigen, dass sie auch ohne Frederike arbeiten können...dafür war die Anästhesie die Woche einfach mal (wieder) in der früh nicht anwesend, so dass wir halt dann mal eine Stunde warten können bis der Anästhesist eintrudelt......

Und ansonsten....hab ich bayerisch gekocht, Semmelknödel mit Rahschwammel, Der Rahm war halt ne Mischung aus Milchpulver, Wasser, Mehlschwitze und Maizena...hab mir aber sagen lassen Palmöl und Milchpulver gibt auch nen prima Saucenrahm muss ich dann das nächste Mal probieren... :o)
und so sah das aus, zuerst in der Küche...


und dann angerichtet....

...stilecht mit Tomatensalat, hab gleich nen äthiopischen Freund eingeladen, ihm hats geschmeckt!!!!!!!!!!!!!

Nochmal so als Kontrastprogramm mein sonstiges äthiopisches Essen, Injera mit allem möglichen....
zuerst dei sog. Fasting-Variante ohne Fleisch-Beienet-(hier sind ja knapp80% Moslems und die dürfen ja nicht immer Flaisch essen)

in der Mitte Linsen mit schärfer Sosse, im Vordergrund Meis, links daneben Linsen, teilwese püriert, daneben Salat, nach rechts, Peperoni (blos nicht reinbeissen, ätzend scharf, daneben rote Beete, daneben so eine Art Spinat, dann Reis, dann Kartoffeln und Karotten...
und die gemischte Fleisch-Variante....


...wie man sieht ist nicht alles mit Fleisch und das weisse links ist sogar Käse, sie sagen hier ja immer er sei nicht von der Ziege schmeckt aber so.... :o))) und im Vordergrund der gute Taj, der einheimische Honigwein -was für ein Festmahl!!!!!!!

So ansonsten hab ich hier mal so für meine Residents in einer unverhofften OP-Pause -Patient hat gefrühstückt (es ist Ihnen hier nur schwer klar zu machen das ein kleines Sambusa (herausgebackne und frittierte Linsentasche) auch ein Frühstück ist, auch wenn sie kein Injera gegessen haben!!!!)--einen kleinen Osteosynthesekurs organisiert, sozusagen Mini AO-Kurs in Jimma -die Seehöhe wär ja die gleiche von Davos (für alle nicht Mediziner, in Davos finden sonst solche Kurse statt)....


Fast schon richtig profesionell!!! :o))

Und noch was aus der Kategorie Patientenschmankerl:

Ein Patient hat sich den Unterschenkel gebrochen und zwar Schien und Wadenbein, auf gleicher Höhe, so ziemlich in der Mitte. Daraufhin hat man ihm eine Gipsschiene angelegt, die den Fuss einschliesst und bis hinauf zum Oberschenkel zieht.....soweitsogut, als ich ihm am nächsten Tag gesehen habe, ging die Schiene nur bis knapp über die Kniekehle, auf mein nachfragen hat er geantwort es hätte ihm beim Pinkeln gestört, darauf hat er sie abgeschnitten, wir haben ihm darauf erklärt, dass er das tunlichst lassen solle, aber er hat kein Geld für Neuen Gips, also haben wir es mal so belassen. Am nächsten Tag war der Gips dann bis unter die Kniekehle gekürzt, jetzt hat es ihn gedrückt.....und einen Tag später.....

...hat er sich dann auch nochseinen Fuss befreit....wie man sieht ist der Fuss deutlich angeschwollen, kein Wundrr, jetzt wackelt ja auch alles wie ein Kuhschwanz....
Was wir machen werden????? Entweder er lässt uns den Gips, der mittlerweile organisiert werden konnte anlegen -eher unwahrscheinlich- oder er geht so wie oben zu sehen ist heim..............that`s life :o))

Freitag, 30. Juli 2010

Wie schauts eigentlich in mir aus?

Ja ist es denn zu glauben, jetzt bin ich doch schon 2 Monate hier.....Was???? schon 2 Monate, ein Drittel schon rum, daher mal eine etwas persönliche Sicht meiner Gefühlswelt hier. Wie man ja mitbekommen hat ist hier schon alles sehr anders ;o)

Am Anfang kommt man hier an und möchte am liebsten alles fotografisch festhalten und die Augenblicke jeden für sich einfangen, weil alles so speziell, neu, faszinieren, skuril oder wie auch immer ist, das man sich jeden Moment sagt "Ja das gibts doch gar nicht, das glaubt einem ja kein Mensch"...man hat ja viele Vorstellungen, aber die Wirklichkeit übertrifft diese Vorstellungen um Längen. Man kommt also im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staunen, im positiven wie auch im negativen Sinne nicht mehr heraus. Und mit der Zeit wird das dann zur Normalität, ja man wird Teil des ganzen Ablaufes, was auf der einen Seite extrem wichtig ist um hier leben zu können auf der anderen Seite schade weil einem diese kindliche Faszination ("Ui schau mal hier, oh nein dort!!!") verloren geht.
Wie war bzw. ist das für mich?
Also die ersten 2 Wochen ist das ganze wie in einem Kinofilm, einfach unglaublich und dann mit all dem scheinbaren Chaos hier. Nach 2-3 Wochen war es dann so, das ein Umdenken einsetzt. D.h. es kommt so das Einsehen, das hier ist die Realität!!!!!! Und noch mehr, wie um alles in der Welt soll ich das hier meistern, noch dazu 6 Monate. Also konkret, ich habe jeden Tag Fälle, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe und wo ich keine Ahnung habe wie ich sie behandeln soll. Wenn doch so sind das häufig Operationen, die ich noch nie durchgeführt habe. Und wenn doch so verkompliziert die hiesige Infrastruktur auch die einfachsten Sachen.... Der Kobold aus Verantwortung gepaart mit dem Wissen der eigenen und vorgegebenen Unzulänglichkeiten lastet dann sehr schwer auf den Schultern. Dazu kommt das allgegenwärtige Chaos, wo man keine Ahnung hat wie und wo anfangen......
Nach so 3 Wochen hab ich mir wirklich gedacht, wie soll ich das hier blos schaffen, psychisch vor alllem, das war wie so ein beginnender burn out.
Und dann beginnt so ein bischen das Umdenken, man wird so ein bischen afrikanischer in der Einstellung, die Fälle hier stehen einfach in keinem Lehrbuch, man muss sich hier einfach mit ein bischen sehr viel Kreativität Lösungen erarbeiten und wenn es nicht klappt, -so what-dann ist das halt so - Schicksal, aber man hat sein bestes versucht. Diese Denkweise ist hier die Überlebensstrategie, zumindest für mich. Mitgefühl ja, Mitleid nein.
Und dazu kommt dann noch, dass man mit der Zeit feststellt, hey das ist zwar Chaos, aber hat doch sein System, wenn auch sein ganz eigenes :o)) mit dem man lernt zu Arbeiten. Geht mittlerweile erstaunlich gut.
Und ab dem Zeitpunkt wird man selber wieder relaxter, so dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass ich das hier schon schaffe und auch mein Leben hier wirklich geniesse -wenn auch natürlich immer noch mit Höhen und Tiefen, wie es ja auch normal ist-überall auf der Welt- und nicht nur in Afrika :o))) Und das Land und die Leute sind einfach echt toll.
Was mir hier extrem hilft ist das wir hier zu Zweit sind und ich mich mit Frederike natürlich gut austauschen kann -extrem wichtig (Ihr geht es ja in ihrem Bereich nicht viel anders), v.a in der schwierigen Anfangszeit!!!!
Was mir sonst geholfen hat ist, dass es einen Kollegen in der Schweiz gibt, der hier insgesamt 1 1/2 Jahre war und mit dem ich mich alle paar Wochen austausche und mit ihm die Fälle diskutieren kann -das tut sooooo gut, weil er weiss wie es hier läuf, und mich in meiner Arbeit hier bestätigt.

Ja und heute hat eine neue Zeitrechnung begonnen, Frederike ist zurückgeflogen und jetzt bin ich für den nächsten Monat ganz allein. Da bin ich auch mal gespannt wie das dann läuft, wird sicher wieder ne neue Herausforderung. ABER: In einem Monat kommt Patrizia, für alle die sie nicht kennen, eine Freundin und OP-Schwester aus Münsterlingen die ich dankenswerterweise hab überreden können mich hier für 2 Monate zu unterstützen und da freu ich mich schon sehr drauf!!!!!! Und mit diesem Ziel werd ich die nächsten Wochen schon schaukeln :o))))!!!!!!!!!