Sonntag, 11. Dezember 2011

Zurück in Jimma

Erst mal Sorry, dass bis jetzt so wenig Fotos dabei sind, aber in Jimma ist halt alles einbischen mühsamer, sobald die Verbindung mal stabil genug ist lad ich Fotos hoch, bis dahin gibt`s jetzt halt nur Text.....

Ja mei, jetzt bin ich doch wieder da –in Jimma. Letzten Samstag Abend angekommen mit Skybus. Klingt doch nach was, oder? Was das ist? Es gibt hier zwei überregionale „Busunternehmen“, die jeweils eine ziemlich grosse Anzahl an Omnibussen, für alle Schweizer ;-) –Cars- haben, die hier zwischen den grossen Städten pendeln. Selambus und eben Skybus. Selambus fährt jeden Tag, ist ein bischen günstiger und einfacher, braucht auch etwas länger und bei Skybus ist es eigentlich so wie wenn wir in Europa eine Busreise unternehmen, fährt aber nur an 3 Tagen die Woche – es gibt ausser Kaffee und Kuchen sogar nen Film der während der Fahrt läuft (äthiopische Produktion, aber Gott sei Dank mit englischen Untertiteln-war im übrigen eine Liebeskomödie J)Und das beste ist der Werbeslogan: „ Young Man Trucks, german technology, chinese price“ der die ganze Zeit –und die Fahrt dauert dann ja doch knapp 6h- als Laufanzeige-schön rot blinkend über dem Fahrer durchläuft. Übrigens kostet die Fahrt 200Birr, also knapp 10 Franken.

Warum ich nicht mit meinem Minibus gefahren bin? Der braucht länger und war zu dem Zeitpunkt auch nicht in Addis und ausserdem ist der ned klimatisiert und die Lehne kann ich auch nicht verstellen :-D. Umso grösser war dann die Freude als ich in Jimma dann vom Busbahnhof mit dem eigenen Minibus abgeholt worden bin, sehr zur grossen Überraschung sämtlicher anwesender Bajajfahrer (kleiner Reminder: Bajaj sind die kleinen motorisierten 3 Rad TukTuks hier) die ja immer auf alle Ankommenden warten. Und Tame, mein Fahrer hat sich so gefreut mich widerzusehen und abzuholen, grad schee war`s.

Und Jimma selbst, alles soooo vertraut, da momentan ja eher trocken auch entsprechend viel Staub, eine Strasse ist neu asphaltiert, für alle die die das hier kennen, es ist die vom Variety zur Dashen Bank, ein paar neue Gebäude, aber sonst alles beim Alten. Halt, nein, die Minibusfahrten haben sich um 25 Centim erhöht und kosten jetzt 1, 75 Birr, statt 1, 50, also ca 9 Rappen statt 7,50.

So, die üblichen Jimmastrassen, die nichtasphaltierten und die eine Ringstrasse die zu 2/3 asphaltiert ist(eben darunter auch o.a. neu asphaltiertes Teilstück)

Und das Haus? Eigentlich unverändert, ich wohne da jetzt mit Nicole zusammen, die Physiotherapeutin ist und während ihrer Ausbildung schon in Äthiopien gearbeitet hat und jetzt für gesamt 6 Monate für unser Projekt hier ist. Sie ist seit 1 ½ Monaten hier und hat das Haus wieder auf Vordermann gebracht, nachdem davor seit 6 Monaten keiner mehr hier war...

Ich schilder mal besser nicht wie das hier wohl so ausgesehen hat, sie hat auf alle Fälle tolle Arbeit geleistet. Das allerschlimmste ist jedoch-die Dusche, sie geht nicht mehr, es kommen nur noch ein paar Tropfen aus dem Wasserhahn, seufz, MEINE GELIEBTE DUSCHE!!!!!!

Duschen geht jetzt halt folgendermassen, Wasser (wenn vorhanden aus dem Hahn in der Küche, sonst aus unserem Wasserflaschenreservoir, das wir ja regelmässig auffüllen) zum Kochen bringen (ähm, also wenn denn Strom da) mit kaltem Wasser zusammen in Waschschüssel geben (siehe Photo) und dann mit dem kleinen roten Kännchen über sich schütten, aber laaaaangsam, schliesslich ist warmes Wasser sehr kostbar :-P. Haarewaschen geht Not aber auch mit kaltem Wasser aus der Flasche ( eine 2l Flasche langt bei mir genau für 1x Haarewaschen und Ausspülen!!!)

Nicole hat zwar schon versucht die Dusche richten zu lassen, geht aber irgendwie auch ned anders als vorher, also geht eben nicht. Aber was sensationell ist-wir haben jetzt hier einen Servant, die kommt 2x/Woche und putzt und wäscht unsere Wäsche! JUHU, ich muss nicht mehr waschen, dass ist echt toll, kommst abends heim, hängt die gewaschene Wäsche draussen fertig auf der Leine, LUXUS!!!!

Ach ja, es ist ja ganz schrecklich, aber mir war gar ned bewusst dass ich doch sooo viele Schuhe dabei hab, ich glaub ich bin halt doch ne Frau......:-)....und das sind wirklich alles nur MEINE Schuhe..

Unsere Wärter sind aber sonst noch die gleichen, einer der beiden, Tesfay hat grad geweint vor Freude als er mich gesehen hat-"Sista Stopani!!!!!!"

Noch mal zur Erinnerung, das ist die Unterkunft unserer Wärter, 2x1m gross, so das halt grad ein Bett rein passt, aber sie wechseln ja jeden Tag..........

Tja und das Spital.....tja,tja,tja....ist eigentlich das gleiche wie immer, an einem Nachmittag standen dann plötzlich die zwei Betten auf unserem Weg ins Büro, hat halt abisserl gedauert bis man sie auf den "Altmetallhaufen" rechts davon hat hiefen können ;-)

Der Neubau ist wie nicht anders zu erwarten noch ned fertig, aber wenn ich sonst gefragt hab wann es fertig wir, hiess es immer "next year" -jetzt heisst es blos noch " not now" :-P......

Aber wie man sieht wird das ganze mehrstöckig, ich bin ja mal gespannt wie lange sie dann von der Station in den OP brauchen, dauert ja jetzt bei 30m ebenerdig schon seeehr lange....

Die Arbeit, viel wie immer, die to-do-Liste der Fälle auf der Station langt für die nächsten 2 Wochen und da sind jetzt noch keine Notfälle oder die Katastrophen der Sprechstunde einberechnet die ja immer Mittwochs kommen und die man ja auch lieber gestern als heute operieren würde und die man dann aus Platzgründen doch erst in 2 Wochen einbestellt, seufz....

Momentan ist das hier mein Jüngster, 5 Monate und Oberschenkelschaftbruch...

...jetzt ist er halt in seiner Pflaster-overhead-extension und ist so mein kleiner Sonnenschein der eigentlich immer lacht (was wahrscheinlich an meiner Hautfarbe liegt, aber egal!!!!!)

Der OP...sie haben es geschafft im letzten Jahr den BV, also das mobile Röntgengerät wieder zu schrotten, jetzt hab ich wieder keinen, die Blutsperre ist auch kaputt-wie man das hinbekommt, ist mir ein Rätsel( gibt Gott sei Dank noch eine manuelle)....von den 4 Bohrmaschienen, geht blos noch eine und von den Dermatomen (also die Geräte mit denen man für oberflächliche Hauttransplantationen die Haut entnimmt) geht keins mehr. Ach ja, was es aktuell noch zudem erschwert ist, dass wir eigentlich für jeden Saal eine Diathermie (also das Gerät für die elektrische Blutstillung) hatten, jetzt ist auch davon eines kaputt. Und von den anderen beiden haben beide nen Wackelkontakt, eines mehr als das andere.....Und da wir ja immer Blutknappheit habensollte es ja hier so wenig wie möglich bluten...und ich hab letzte Woche z.b. an grossen Eingriffen 2 Oberschenkel verplattet, 2 Lappenplastiken am Unterschenkel und 3 Amputationen gemacht...das geht nicht ohne Strom!!!! D.h. ich muss am besten am Vorabend schon das verhandeln anfangen, dass ich eines der beiden Geräte-bestenfalls das mit dem kleinen Wackler- bekomme, und diese Diskussionen setzten sich dann am OP-Tag fort und irgendwie gehts dann. Beispiel:

Saal 2 macht einen grossen Mageneingriff, d.h. die haben sicher für 2-3h eines der beiden Geräte, Saal 2 macht irgendwas kleines, braucht aber wenigstens für den Anfang den anderen Strom. D.h. ich kann dann anfangen, wenn Saal 2 den Strom fürs erste nicht mehr benötigt, aber bis dann dass Gerät in meinem Saal ist und angeschlossen ist- das kann dauern, weil der Weg also mindestens 30 Meter beträgt. So, dann fang ich also an, hab aber dann nach kurzer Zeit schon wieder die Anfrage aus Saal 2, weil die den Strom jetzt doch überraschender Weise nochmal brauchen. Ich geb ihn aber ned her, weil grade selber bei mir von Nöten, so dass kurzfristig doch Saal 1 auf den Strom verzichten muss. Sobald ich dann der Meinung bin wir brauchen ihn nicht mehr, wird der meinige von unserem Saal abgezogen und in Saal 1 gebracht, dass die weiter machen können.......das lustige Strom-Rotations-Prinzip...kostet Zeit und Nerven.....(Für alle chirurgisch tätigen, jaja, ich weiss man kann auch mit Ligaturen arbeiten, machen wir hier alle-(wenn denn Fäden da sind) aber die Diathermie ist insbesondere bei den Debridements und Amputationen unverzichtbar......

Noch ein paar kleine Impressionen zum Thema Abstand halten der Sterilität wegen...

...und ned zu viele Leute im OP aus dem gleichen Grund....

...tja, aber mir san ja ein Teaching-Hospital und daher sind das alles Studenten die ja zuschauen wollen/müssen, seufz.....

So und jetzt geniesse ich gerade die Sonne auf unserer Terasse, nachher vielleicht noch ne Runde Schwimmen im Central-Hotel und Nachmittags evtl. a bisserl Chad und abends das gute St. George Bier, dann bin ich gut gerüstet für die nächste Woche!!!! Na denn mal Prost!



Donnerstag, 8. Dezember 2011

Bank ist nicht gleich Bank

Also zuerst einmal, wer glaubt in der Schweiz gibt es viele Banken, der war noch nie in Äthiopien J… aber das beste ist, dass das klassische Bankenwesen, so wie wir es kennen hier nicht häufig verwendet wird. Klar, es gibt ein Gehaltskonto, aber das wird eigentlich schon am Zahltag geleert und Banken traut man hier eher nicht –wenn man sich die aktuelle Entwicklung weltweit anschaut, eigentlich keine schlechte Einstellung ;-)

Und wenn man selbstständig ist, also Businessman ist –oder women dann benutzt man sowieso keine Bank. Dann gibt es nämlich das traditionelle System-eine Art-local bankbusiness-das oder den Ikup.

Das muss ich jetzt mal erklären, hab ich selbst lange nicht kapiert und erst vor 2 Wochen als mir eine Europäerin –aber mit einem Äthiopier verheiratet -das System bis ins letzte Detail erklärt hat, hab ich es doch tatsächlich vollständig (glaub ich zumindest) begriffen-gut Ding will Weile haben. Für uns so oder so sehr befremdlich.

Also, da gibt es eine Gruppe Businesspeople, Anzahl X, sagen wir mal X ist 10(in Wirklichkeit viel mehr, aber 10 rechnet sich einfach leichter) Die trifft sich jede Woche und zahlt einen bestimmten Betrag, der festgesetzt ist (sagen wir mal umgerechnet 100Euro, um den Betrag bewegt es sich tatsächlich) in eine Art Lostopf. (bei unserer fiktiven Gruppe wären das also 1000Euro pro Woche) Und dann wird gelost wer das Geld bekommt. Und derjenige kann dann mit den 1000Euro ein neues Business aufmachen oder sonstwie investieren, was er mit 100 Euro nie könnte. Und –jetzt kommt der Teil den ich ned gewusst habe- sein Los ist jetzt aus der Runde raus, bis jeder einmal gewonnen hat.

Das ganze ist gesetzlich strenger geregelt als das klassische Bankensystem so wie wir es kennen, so dass sich doch tatsächlich –scheinbar- jeder an die Regeln hält. Und wenn Du halt zwischendrin Geld brauchst leihst Du es Dir halt von jemandem der den Ikup grad gewonnen hat unter der Prämisse, das Du ihm das Geld zurückzahlst wenn Du an der Reihe bist-wann auch immer das sein mag……

Aber für uns Westler sind da ja immer noch ein Haufen Wenn und Abers in dem System, so dass ich gesagt hab „Ähm, ich Europäer, ich hätt trotzdem gern das Geld klassisch step by step pro Monat auf meinem Konto…“ Hab ich mir gedacht eröffne ich „einfach“ ein Konto hier und von dem kann ich dann auf mein Schweizer Konto transferieren…

MEIN GOTT WAR ICH NAIV!!!!! :-P

Jetzt kenn ich zumindest sämtliche Angestellte von Zemen Bank, Dashen Bank, Commercial Bank of Ethiopia, National Bank of Ethiopia, Awash Bank, Wegagen Bank -zumindest in den jeweiligen Filialen, wobei Zemen als einzige Online Banking hätte. Und das Ergebnis?

Also 1. muss man entweder die Residency permit oder aber die working permit haben (wobei die working permit ohne residency permit auch ned so einfach ausgestellt wird und schon gar ned wenn man für ein ausländisches Projekt arbeitet) und 2. selbst wenn man ein Konto dann doch endlich haben sollte man wiederum eine Sondererlaubnis braucht um ins Ausland zu überweisen. Tja Geld muss im Land bleiben und ich brauch ja wohl nicht erwähnen dass es nicht so einfach werden würde diese Sondererlaubnis überhaupt zu bekommen….und als Einheimischer ins Ausland überweisen-DAS geht ja gleich gar ned…..mal schauen was sich sonst so für Lösungen auftun –wenn einer eine gute Idee hat-BITTE MELDEN!!!!!!


Und hier noch ein paar "Hotel"-Impressionen aus Addis:
Mein Hotel, das Taitu, das älteste Hotel in Addis von 1896, das Zimmer für 15 Franken:
Hier der Garten des Hilton -für ca. ab 150 Dollar die Nacht

und hier das Sheraton, das teuerste und angeblich beste Hotel in Afrika, ab 250 Dollar die Nacht....

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Und weiter gehts oder wass seither geschah.....

Letztes Jahr bin ich am 27.11.10 von Addis abgeflogen und am 28.11.10 in Zürich gelandet und ein Jahr später am 27.11.11 in München abgeflogen und am 28.11.11 in Addis gelandet, na wenn das mal keine guten Vorzeichen sind. So und jetzt bin ich also wieder „unten“ –in meiner 2. Heimat- in Äthiopien.

Aber zwischendurch ist ja auch ein bisschen was passiert und daher mal eine kurze Zusammenfassung des letzten Jahres.

Mal das, was alle am meisten interessiert, viele ja auch wissen und worauf ich aber am wenigsten eingehen werde –da privat-zuerst, ja wir sind noch zusammen, unsere Beziehung hat also tatsächlich bis heute gehalten-nicht immer einfach, aber immerhin –wer hätte das gedacht.

Aber anfangen will ich vor einem Jahr, meine Rückkehr. Da kommst Du wieder „heim“, aber in eine Heimat die Dir so fremd ist, mit all dem Wohlstand und v.a. der Schnelllebigkeit. Man hat den Eindruck man lebt im Zeitraffer. Es gibt keine Worte die das Gefühl beschreiben können sich in der "eigenen" Heimat fremd zu fühlen, auf eine Art entwurzelt, wo doch alle Wurzeln noch da sind, man kann sie nur irgendwie nicht finden. Eine Art Zwischenleben, klar man funktioniert, arbeitet auch wieder, aber weiss nicht so genau wo man hingehört….man geniesst Freunde und Familie hier-beides wundervoll und schön, aber in einem ist ständig das Gefühl man gehört da nicht her…..echt sehr, sehr, schwierig. Und das nach nur 6 Monaten Abwesenheit. Bei mir hat das so knapp 2Monate gedauert, dass ich wieder so langsam das Gefühl hatte „Ah, jawohl, das hier ist meine Welt, mein vertrautes Leben „daheim“ in dem ich mich wohlfühle.“ Gleichzeitig aber hatte ich immer ein bisschen Angst mich zu sehr von meinem äthiopischen Leben zu entfernen. Und das macht man –zwangsläufig- zu unterschiedlich sind diese 2 Welten.

Wie ich dieses Jahr im Frühjahr das erste Mal auf Urlaub hier unten war, war es in meinem Kopf noch wie ein Schalter, den man einfach umgelegt hat, sobald ich in Addis ausgestiegen war. Es war ein fliessender Wechsel in den äthiopischen Rhythmus, chiggar yellem, wie man hier sagt-kein Problem.

Das nächste Mal im Sommer hab ich wesentlich länger gebraucht um mich umzustellen, da hat mich das Tempo und die Einstellung hier die ersten Tage ziemlich genervt. Aber ich hab mich dann schon wieder umgestellt, aber sehr langsam. Da hab ich dann gemerkt „Oh, ich bin wieder europäisiert….“

Gleichzeitig lebt man ja sein europäisches Leben viel intensiver, weil ich mir bei allem was ich gemacht habe überlegt hab, könnte und wollte ich auf die vielen Dinge in meinem Leben hier längerfristig verzichten. Da stellt man dann schon fest, dass es hier viele Dinge gibt, wo das wahrscheinlich seeehr schwierig werden dürfte –nicht zuletzt sowas einfaches wie Jahreszeiten und natürlich meine geliebten Alpen –sommers wie winters.

Aber unabhängig von diesen ganzen Überlegungen bin ich schon recht früh in diesem Jahr zu dem Schluss gekommen, dass ich einen Wechsel brauche und für mich beschlossen habe mir eine Auszeit zu nehmen, für mich selber hab ich mal so für 1 Jahr geplant, in dem ich einfach mal meine Leben „frei Schnauze“ lebe, geniesse und schau wie sich die Dinge entwickeln (bzw. aktiv mitentwickeln). Daher hab ich meine Stelle nach 6 1/2Jahren in Münsterlingen gekündigt und bin seit dem 1.8. nur noch Hobbychirurgin.

Für alle die die meinen wenn man arbeitet geht die Zeit schnell rum……das ist NICHTS im Vergleich dazu wie schell sie rast wenn man „nix“ tut. Wobei „nix“ stimmt ja auch ned, besser „keiner geregelten Arbeit nachgeht“

Aber Zeit für Freunde, Familie und sich zu haben, all die Leute zu besuchen wo man es früher nie geschafft hat ist wirklich lebenswert…ABER was auch ganz faszinierend ist.

Plötzlich jede Menge freie Zeit zu haben, ist auf der anderen Seite nicht so einfach wie man glaubt, da gibt es immer wieder schon fast Panickattacken, v.a. am Anfang wo man sich selber sagt: Oh mein Gott, ja was soll ich denn jetzt mit der vielen Zeit machen, ich hab ja gar keinen Plan wie und wo und was!!!!-und für uns westlich geprägte Menschen ist das viel schwierige als man meint ( So in etwa gehts wahrscheinlich den Rentnern wenn sie aus dem Arbeitsleben aussteigen und plötzlich gar nicht wissen was machen mit der vielen freien Zeit, wie gut dass ich das jetzt schon trainieren kann :-)))

Randnotiz: Für alle die es interessiert, da gibt es ein tolles Buch -nur zu empfehlen :

Eine Landkarte der Zeit-Wie Kulturen mit Zeit umgehen von Robert Levine

Zurück zum Thema:

Ansonsten bin ich während dem Jahr auch noch Unternehmerin geworden….In was? Taxibusiness in Äthiopien. Klingt komisch-is aber so ;-) Ich hab hier einen Minibus gekauft der jetzt 2x tgl zwischen Addis und Jimma fährt- Honey-Transports sozusagen. Und Eniyew kümmert sich drum, dass der Laden läuft er läuft wirklich sehr gut und macht richtig guten Gewinn.

Na gut, am Anfang ist natürlich einiges gewöhnungsbedürftig z.B. mit der Versicherung –U want a injurance for „bus AND persons“ or „bus OR persons“? - Aha, also der äthiopische Unterschied zwischen Voll und Teilkasko-mal wass anderes. Oder auch wenn ich in der 3. Woche nachdem alles läuft zu hören bekomme, dass irgendeine Flüssigkeit irgendwo rausläuft und mein europäisches ICH laut aufschreit wie denn das sein kann nach so kurzer Zeit, und mich mit „ Don`t worry, just a small problem, we will fix it“ beruhigen laasen muss. Da muss ich dann ganz schnell versuchen mein äthiopisches ICH auszugraben „tera gaga“ –be cool.....ohmmmmmmmmm............


Dienstag, 23. November 2010

Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt

...in 4 Tagen flieg ich zurück, das ist noch diese Woche, ein unglaublich komisches Gefühl. Ich bin doch grad erst angekommen, habe mich doch eben erst mit diesem Chaos arrangiert, das gut versteckte System dahinter herausgefunden. Wo ist denn die Zeit nur geblieben, das "gerade eben"????? Es hat sich gewandelt in ein Gefühl der Vertrautheit, der Heimat, ja natürlich, der 2. Heimat, aber doch, ich fühle mich hier daheim. Es ist ein ganz anderes Leben als zu Hause, nicht beschreibbar und nicht vergleichbar. Ja, Jimma mit all seinem Staub, seinem Matsch, seinem Chaos, aber auch mit all meinen wundervollen Freunden -, seiner positiven Energie und seiner pulsierenden Lebensfreude ist mein zu Hause, mein zu Hause in meinem äthiopischen Leben.
Und jetzt kommt wieder der Wechsel zurück,ein Wechsel in mein altes, europäisches Leben, ein Wechsel in mein "normales" Leben, meine normale Arbeit, meinen normaler Alltag...ein Wechsel in ein mir momentan so fremdes ubd entferntes daheim......
Wie wird es sein? Eine Fremde unter Freunden??? Kann ich mit dem Luxus wieder richtig umgehen??? Wird mein Leben hier nur noch eine schöne Erinnerung werden???? Wird meine Beziehung den Kulturwechsel überstehen?????

Emotional ist das extrem schwierig, ein dauerndes Auf und Ab im Moment, zwischen der Freude auf alle Freunde, auf meine Familie, v.a. auf meinen kleinen Neffen, der Anfang Dezember nach Eurropa kommt, auf eine Arbeit ohne Chaos wo ich endlich wieder nicht für alles und jedes verantwortlich bin und wo -das meiste- funktioniert.....auf der anderen Seite eine so ungeheure Traurigkeit über den Weggang hier, über das Zurücklassen meiner Arbeit, meiner Freunde und v.a. meinem Freund hier in Jimma.
Es ist wie ein zweigeteiltes Herz, das europäische und das äthiopische, die beide sehr entgegengesetzt funktionieren.........und manchmal hab ich das Gefühl es ist kurz vorm zerspringen......echt schwierig.......und chirurgisch nicht behebbar.......

Samstag, 20. November 2010

..schon fast vorbei....

Wo ist denn um himmelswillen nur die Zeit geblieben???? In einer Woche fliege ich zurück....Patricia ist schon seit fast einem Monat weg, ich hab meinen Kurzurlaub mit meinen Eltern schon hinter mir und am Montag beginnt meine letzte Woche...ja das gibts doch gar nicht....hab ich nicht gerad erst meinenvorübergehenden Abschied in Kreuzlingen gefeiert?!?!?!?!?!
Aber bevor ich heimkomme nochmal ein paar Eindrücke der letzten Wochen:

Also Pizzabacken geht hier...natuerlich mit Mozarelle aus Addis, aber immerhin mit Instanthefe aus Jimma.....

..da freuen sich meine Finger, mal wieder was anderes ausser Knochen bearbeiten zu können.... (Sorry, kleiner Chirurgenhumor, nix für ungut)
Und das Ergebnis...............


SAULECKER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Wir haben das ganze Blech zu zweit weggeputzt :o)))))#

Und zwischendrin natürlich unsere wunderschönen Ausflüge am Wochenende,
und wenn man es ned wüsste könnte men meinen es ist bei uns daheim....

...weisse Menschen, grüne Wiesen gelbe Blumen, braune Kühe :o))))...
....aber eben nur fast.....

...weil manche Leute.....

...trifft man bei uns sicher nicht :o)
Da waren wir übrigen in einem kleinen Ort in einer lokalen Tej-Bar, das ist hier der lokale Honigwein und die alte Dame hat dann noch ganz ordentlich mit uns mit getrunken, eine Mordsgaudi........................

Tja und dann waren Patricia und ich noch für 5 Tage im Kurzurlaub in den Bale-Mountains, teilweise Hochmoor bis 4000m, beim Horsetrekking, einfach wunderschöööön.
Dazu muss man naqtürlich sagen, dass wir es für äthiopische Verhältnisse sagenhaft gut geschafft haben, Zeit beim Reisen zu sparen. Das schöne an den Bale Mountains ist nämlich, das fast keine Leute, geschweige denn weisse Touristen dort sind, warum???? Weil sehr, sehr mühsam zu erreichen und vom dezentralen Jimma eigentlich nur in 2Tagen Reise; was bei 5 Tagen -2Tage Anreise, 1 Tag dort und 2 Tage Heimreise bedeutet.................!?!?!??!?!?!?!?!?
Wenn man es aber schafft am Mittwoch Abend nach der Sprechstunde im Minibus auf Addis zu fahren, dort gegen 1Uhr ankommt, am nächsten morgen um5 Uhr aufsteht um um 6 Uhr den local bus nach Dodola (2400hm) zu nehmen, dann schafft man es am Donnerstag nachmittag schon mit Packpferd zum Basecamp (2800hm)aufzubrechen. Von dort dann ab dem nächsten morgen auf Pferdesrücken die Landschaft zu geniessen, noch 2x in einfachen Camps(jeweils 3300hm) zu übernachten (Proviant haben wir für die Tage in Dodola eingekauft), Kocher, Benzin und einfache Lager sind in den Camps vorhanden, am Sonntag Mittag wieder in Dodola einzureiten, von dort den local bus nach Shashamene zu nehmen, dort zu übernachten um am Montag zuerst mit dem local bus um 7 Uhr zurück nach Addis (sind übrigens knapp 6h Fahrt) und von dort dann mit dem Luxus eies private Drivers wieder zurück nach Jimma (sind nochmal 6h Fahrt).
Was ein timing!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :o)))

Die Bilder sprechen für sich....

Zu Beginn kurz hinter Dodola...........

Die Küche vom Baqsecamp während der Abendessenszubereitung, Spaghetti pomodoro, :o=

Das Basecamp mit unserem Übernachtungszelt am nächsten morgen....

....Frühstück mit Aussicht. man beachte:
Patricias Frisur und Nutella zum Frühstück, welch LUXUS!!!!

ohne Worte




...und Pferde überall, wie im Märchen, fehlt halt blos noch das Einhorn vorne drauf....



...und zum Schluss austraben Richtung Dodola....



Und sonst?
Oh, wir haben ein Photoshooting beim Photografen gemacht, vorher aber nochmal richtig gestärkt....


...so schaut das also aus wenn man es sich in Jimma gut gehen lässt :o)

Und wenn es einem mal nicht so gut geht, dann gibt es Rehydrierung auf dem heimischen Sofa....nur gut das überall irgendwelche Nägel in der Wand sind, dann brauchts keinen Infusionsständer ;o).....

Tja und dann war die Zeit mit Patricia auch schon vorbei, Wahnsinn wie schnell diese zwei Monate rumgegangen sind, ich kanns nicht glauben............

Und das muss doch auch mal erwähnt werden, Jimma hat ein Airport-Cafe...und sogar richtig stylish!!!!!!!!!!!!!! ;o)))



Und was gibts neues aus der Klinik?????
eigentlich das übliche wie immer, zwischendrin hatten wir einen schweren Verkehrsunfall, Minibus gegen Localbus mit auf einem Schlag knapp 15 Aufnahmen von denen die meisten operiert wurden, das alles abzuarbeiten, hat mich knapp 3 Wochen gekostet......
Warum so viele Patienten, bzw wie so ein Minibus ausschaut nachdem er mit einem local bus kollidiert ist???
Ich hatte das "Vergnügen" den Minibus live zu sehen.....


...der steht nämlich bei einem meiner Patienten, der im übrigen immer noch stationär liegt noch in der Einfahrt....
Warum Mustafa nach über 6 Wochen noch immer bei mir liegt.......................er war der Fahrer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und wie man sieht, geht es ihm eigentlich wieder ganz gut. Wie man an den Resten des Minibusses erkennen kann ist es eh ein Wunder, dass er überlebt hat und das mit so "glimpflichen" Verletzungen.
Glimpflich heisst in diesem Fall offener, schwerer Oberschenkelbruch rechts, offener, völlig zertrümmerter Unterschekel rechts mit riesigem Weichteilschaden. geschlossener Unterschenkelbruch links und ausgekugelte Hüfte links.
Mittlerweile hat er 5 Operationen hinter sich und sicher mindestens noch 1-2 vor sich, aber so wie es ausschaut wir er beide Beine behalten und auch wieder laufen können..... :o)))